Fünf Fragen an...
Philippa Dorow, Projektkoordinatorin für zwei IBA Quartiere in Neugraben-Fischbek

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  • 05. Aug 2021
Philippa Dorow

Lebendige Nachbarschaft in hochwertiger Architektur: Das ist der Anspruch der gebürtigen Freiburgerin, die vor genau zwei Jahren die Projektkoordination für zwei IBA Quartiere in Neugraben-Fischbek übernahm.

Neben der Projektkoordination in den Quartieren Fischbeker Heidbrook und Fischbeker Reethen kümmert sich Philippa Dorow auch um den Quartierseingang zum Vogelkamp Neugraben. Vor ihrem Start bei der IBA Hamburg arbeitete die studierte Diplom Ingenieurin Architektur mit einem zusätzlichen Master of Sciences in Urban Management über fünf Jahre bei der Lawaetz-Stiftung. Während dort Baubetreuung und Projektentwicklung im Vordergrund stand, war sie zuvor 13 Jahre lang im Schulbau tätig.


Wie schaffst Du es, all den unterschiedliche Projekten gerecht zu werden?

Das funktioniert erst einmal nur mit einem großartigen eingespielten Team bei der IBA Hamburg. Aber es ist bei so unterschiedlichen Projektphasen schon eine richtige Herausforderung. Der Fischbeker Heidbrook befindet sich in seiner Vollendungsschleife. Ende 2022 werden wir die Quartiersentwicklung dort mit einem großen Fest abschließen. Gerade vermarkten wir noch zwei letzte Grundstücke und stellen zum September die Straßen fertig. Die Baulücken schließen sich nach und nach, und das Quartier wächst zusehends zusammen.

Eine ganz andere Fragestellung beschäftigt mich gleich nebenan in den Fischbeker Reethen: Da ist von Bebauung auf den ehemaligen landwirtschaftlichen Flächen, die von uns entwickelt werden, noch nichts zu sehen. Bis es so weit ist, müssen komplexe Fragestellungen geklärt werden. Fachgutachten reichen von Lärmschutz bis zur Prüfung der Verkehrsknotenbelastung, Entwässerungsfragen sind zu klären, Einzelhandel zu verorten, schulische Einrichtungen vorzusehen und die übergeordnete Funktionsplanung abzustimmen.

Ich bin sehr zuversichtlich, denn im Fischbeker Heidbrook sind diese Themen erfolgreich erarbeitet und realisiert. Hier hat das Entwicklungsgebiet die Vielzahl der Planungs- und Realisierungsphasen bereits durchlaufen. Das Quartier hat es geschafft, sich von einem ehemaligen Kasernenstandort zu einem hochwertigen und lebenswerten Wohngebiet mit eigenem Charakter zu entwickeln. Die IBA Hamburg hat sich vorgenommen eine lebendige Nachbarschaft und ein qualitativ hochwertiges Quartier aufzubauen. Es ist erfreulich zu sehen, wie gut das hier gelungen ist.

Jetzt liegt die Herausforderung darin, die erfolgreiche Ideen und Konzepte auf die andere Seite der B 73 zu übertragen.

Was ist am Standort Fischbeker Heidbrook besonders gut gelungen?

Wir haben es geschafft im Quartier eine funktionierende Struktur zu etablieren. Hier hat sich Nahversorgung im Eingangsbereich mit Dingen des täglichen Bedarfs wie Bäcker; Supermarkt, Drogerie aber auch zwei Kitas und das Gesundheitszentrum angesiedelt.

Besonders gespannt bin ich auf die zeitnahe Fertigstellung der Fischbeker Höfe, die dann Wohnraum für Senioren schaffen und damit zu einer generationsübergreifenden Mischung am Standort beitragen. So können zum Beispiel ältere Menschen in der Nähe ihrer Kinder und Enkelkinder wohnen. Damit ist der Fischbeker Heidbrook also nicht nur ein herkömmliches Quartier mit Einzelhausbebauung für junge Familien. In Ergänzung zu den Fischbeker Höfen und den Einfamilien- und Reihenhäusern bietet das Quartier auch attraktiven Geschosswohnungsbau an.

Herausheben möchte ich die vorgegebene architektonische Qualität des Quartiers. Die IBA Hamburg begleitete diesen Prozess von Anfang an. Zuerst ist sie dabei auf viel Widerstand gestoßen. Aber wir setzten einen hochkarätigen Gestaltungsbeirat ein und erarbeiteten den ausgefeilten Hauskatalog. Heute stehen die meisten Kritiker von damals vor ihren Häusern und sagen: „Das sieht doch richtig gut aus.“ Das ist hier keine wilde Mischung aus Toskana-Villa, Hamburger Pfeffermühle und Schwedenholzhaus. Unsere Quartiere sollen mehr sein als nur das Abbild einer wechselnden Mode der Geschmäcker. Heute wird das Quartier gerade dafür wertgeschätzt.

Was wird denn die Fischbeker Reethen einmal auszeichnen?

Das Quartier wird geprägt von seinem Umgang mit Wasser. Als zentrale Achse verläuft dort das Blaugrüne Band mit dem großen Teich in der Mitte. Von überall kommend, wird man schnell Kontakt in diese naturnahen Bereiche mit hoher Freizeitqualität haben.

Auch die Häusertypologien, die wir hier verankern, werden für einen positiven Aha-Effekt sorgen. Wir bauen Stadt-Reihenhäuser in fußläufiger, niveaugleicher Erschließung mit einer starken Öffnung zum Straßenraum. Das sind fast holländische anmutende Qualitäten, die hier in Hamburg nicht selbstverständlich sind.

Und da ist immer wieder die Sehnsucht nach dem Einfamilienhaus im Grünen. Mit unserer Art von Geschosswohnungsbau in der Hybridtypologie kommen wir diesem Wunsch sehr nah. Die vertikal ausgerichteten Maisonettewohnungen über zwei Etagen haben private Eingänge und kleine Gärten. Horizontal darüber liegt ein Bauriegel mit weiteren Wohnungen. Ich bin sehr gespannt, wie dieses Angebot angenommen wird

Wird der Eingang zum Vogelkamp Neugraben der große Wurf für das Quartier?

Wenn erst einmal die neuen Wohngebäude zusammen mit dem BGZ das Erschließungsgebäude flankieren werden und der Quartiersplatz hergestellt ist, wird der Vogelkamp ein richtiger Hingucker. Im Herbst 2022 soll alles abgeschlossen sein. Auch das bisherige Niemandsland an der Bahnstrecke wird bebaut und dadurch den zentralen Park einfassen.

Über dieses zentrale Entree werden viele Menschen kommen und gehen. Es entsteht ein Platz des Austausches und der Begegnung, der belebt sein wird und mit Bäcker, Eiscafé und einem Kiosk niedrigschwellige Anlaufpunkte anbietet. Wir schaffen damit eine hohe Aufenthaltsqualität.

Als IBA Hamburg wollen wir nicht nur Wohnraum entwickeln und vermarkten, sondern auch hochwertige öffentliche Räume generieren. Diese sind sehr gut überlegt in Bezug auf Grünraum, Wasserwege, Spielflächen und auf Sportangebote. Wenn das angenommen und respektiert wird, erhöht es die Qualität eines Quartiers um ein Vielfaches. Ein Haus mit gepflegtem Garten und Zaun drum herum ist ja noch kein gelungenes Quartier.

Wie attraktiv ist denn Quartiersentwicklung an einem so dezentralen Standort wie Neugraben-Fischbek?

Die Qualitäten solcher Standorte werden gerade wiederentdeckt. Die Menschen haben Sehnsucht nach mehr Ruhe im häuslichen Umfeld und Freude an erfahrbarer Natur. In der Stadt sind die Parks voll. Die Möglichkeit, das Homeoffice langfristig zu etablieren, bringt unsere Quartiere daher ganz weit nach vorne. Sie sind die Gewinner des liberaleren Arbeitsplatzmanagements. Neugraben-Fischbek ist nicht mehr ein abgelegener Stadtteil am Süd-West-Rand der Stadt, sondern bestens im Hamburg Takt mit der S-Bahn angebunden. Also ein citynahes Wohnen und Arbeiten mit Hamburger Landcharme.

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