Ökologische Nachhaltigkeit
in der Quartiersentwicklung

Klima- und Umweltschutz sind im Hinblick auf den Klimawandel notwendiger denn je. Die Fragen danach, wie wir im Rahmen der Quartiersentwicklung die Natur und Umwelt bestmöglich schützen und integrieren können, wie der Stadtteil und seine Bebauung selbst einen Beitrag zum Klimaschutz leisten und wie eine zukunftsweisende Energieversorgung aussehen kann, sind für die IBA Hamburg grundlegend. Dabei bekennt sich die IBA Hamburg zu den nationalen Klimaschutzzielen und hat zum Ziel klimaneutrale Quartiere zu realisieren. Ein auf vorhandene Grünstrukturen Rücksicht nehmender Städtebau, eine Versiegelung von Flächen mit Bedacht und nur so weit es notwendig ist, Maßnahmen zum Schutz vor und Umgang mit Starkregenereignissen, eine ressourcenschonende Energieversorgung für die neuen Wohngebiete oder die Planung von Kalt- und Warmluftschneisen sind nur einige Beispiele, wie dies erreicht werden kann.


Relevant im Hinblick auf klimatische Veränderung ist dabei nicht nur der Klimaschutz (Maßnahmen zur Abmilderung des Klimawandels), sondern auch die Klimaanpassung (Maßnahmen zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels). Bereits im Rahmen der Internationalen Bauausstellung IBA Hamburg 2006-2013 wurden im Leitbild „Stadt im Klimawandel“ Lösungen gesucht und innovative Projekte umgesetzt. Auf diesem Fundament aufbauend ist es Ziel der IBA Hamburg auch bei den heutigen Projekten einen bedeutsamen Beitrag auf Quartiersebene zu leisten: ein verantwortungsvoller, ökologisch nachhaltiger Umgang mit Ressourcen und der Umwelt und eine zukunftssichere Energiestrategie.

  • Lesetipp

  • 33

    Naturschutzgebiete gibt es in Hamburg.

  • Rund 22 %

    der deutschen Haushalte beziehen Ökostrom. (Quelle: Statista)

  • Projekt RISA

    zeigt den zukunftsweisenden Umgang mit Regenwasser.
    Mehr erfahren.

IBA DOCK

Der Sitz der IBA Hamburg selbst ist Exponat sowohl für den Klimaschutz als auch die Klimaanpassung. Durch Solarthermie und Photovoltaik sowie eine technisch aufwändige Anlage, mit der das Elbwasser zur Wärmeversorgung aufbereitet wird, versorgt sich das IBA DOCK mit Energie und ist somit CO2-neutral. Gleichzeitig arbeitet der schwimmende Ponton mit und nicht gegen das Wasser und steigt und fällt tideabhängig. Eine Lösung auch für steigenden Wasserstände. Detaillierte Informationen zum Projekt finden Sie hier.

IBA DOCK; Foto: IBA Hamburg / Martin Kunze

Klima- und Umweltschutz (Beispiele für Maßnahmen zur Abmilderung des Klimawandels)

  • IBA Hamburg / Martin Kunze

    Nachhaltige und bezahlbare Wärmeversorgung

    Bereits mit den Bebauungsplänen wird ein Anschlusszwang an lokale Wärmenetze in den Quartieren vorgegeben. Für die Fischbeker Reethen hat die GETEC Wärme & Effizienz GmbH Nord nun ein besonders nachhaltiges Konzept entwickelt, das über den geforderten Standard hinausgeht. Die Wärmeversorgung des Wohngebiets mit rund 2300 Wohneinheiten setzt sich aus 100 Prozent erneuerbaren Energien zusammen. Die Lösung sieht einen Mix aus verschiedenen regenerativen Erzeugungsarten vor. Dazu gehören zwei mit Biomethan versorgte Blockheizkraftwerke (siehe Beispielfoto), weiterhin Geothermie und Solarthermie. Zusätzlich ist im Konzept eine weitere Versorgung über eine Power to Heat-Anlage , somit elektrisch erzeugte Wärme, geplant.

  • Hauskatalog

    Energiestandards und ressourcenschonende Materialien

    Über Konzeptausschreibungen bei der Vergabe von Grundstücken kann die IBA Hamburg wichtige Forderungen zum Klima- und Ressourcenschutz verankern. Ob privater Bauherr oder professioneller Investor – wer in einem der Projektgebieten bauen möchte, muss mindestens den Energiestandard KfW 55 vorweisen. Im Rahmen des Vergabeverfahrens wird darüber hinaus in der Regel ein höherer Energiestandard (z. B. KfW-Effizienzhaus 40, IFB-Passivhaus, und weitere) höher bepunktet. Auch die Realisierung von besonders ressourcenschonenden Bauweisen (z. B. Holzbau oder die Verwendung nachhaltiger Materialen) werden besser bewertet oder bereits in der Ausschreibung vorgegeben. So will die IBA Hamburg eine nachhaltige Entwicklung des Quartiers fördern.

  • IBA OBW Mobility Concept rgb en

    Mobilitätskonzepte

    Ein gut durchdachtes Mobilitätskonzept wie das oben abgebildetete für Oberbillwerder, soll ebenfalls zur Reduzierung der CO2-Emissionen im Quartier beitragen. Ein frühzeitiger Ausbau des ÖPNV-Angebots, eine gute Fahrradinfrastruktur (Stellplätze, Mietangebote, Radschnellwege, Fahrradwege im Quartier), Car-Sharing-Angebote (auch z. B. am Stadtrand), schöne und effiziente Wegeverbindungen für Fußgänger und kurze Wege im Quartier, Ladestationen für E-Mobilität - das alles und mehr soll die zukünftigen Bewohnerinnen und Bewohner überzeugen, so oft wie möglich oder sogar in Gänze auf das eigene Auto zu verzichten. Weitere Informationen hierzu finden Sie auch auf der Themenseite Mobilität.

  • Luftbild NF 66 1

    Strategien für den Baumerhalt

    Die IBA Hamburg setzt sich bei allen Quartiersneuplanungen dafür ein, dass so viele Bestandsbäume wie möglich erhalten werden können (unabhängig von Neupflanzungen). In Wilhelmsburg ist es dabei gelungen, rund 2.170 Bestandsbäume in die Planung zu integrieren. Die Bestandsbäume werden bei der Vergabe der Grundstücke bereits in der Konzeptausschreibung durch die IBA Hamburg gesichert. Für das ehemalige Kasernengelände im Fischbeker Heidbrook wurde ein innovativer Weg für die Kampfmittelsondierung gefunden, sodass hier fast der gesamte alte Baumbestand erhalten werden konnte. Auch während der Baumaßnahmen werden Sicherungen der Bestandsbäume vorgeschrieben, sodass diese nicht durch den Baustellenbetrieb beeinträchtig werden. Weitere Informationen finden Sie auch auf der Themenseite Freiraum.

  • Naturlehrpfad (Foto: IBA Hamburg / Martin Kunze)

    Austausch mit Naturschutzverbänden

    Die IBA Hamburg sucht regelmäßig den Austausch mit Naturschutzverbänden. Im an das Naturschutzgebiet Moorgürtel angrenzenden Vogelkamp Neugraben sind so bereits mehrere Projekte zur Förderung der Biodiversität und Sensibilisierung der Bewohnerschaft umgesetzt worden: ein Naturlehrpfad informiert über Naturschutzgebiet und Stadtnatur; Nisthilfen, ein Storchenhorst sowie eine Lehmgrube für Spatzen wurden errichtet. Darüber hinaus finden regelmäßig naturkundliche Führungen und Informationsveranstaltungen zur naturnahen Gartengestaltung statt. So werden durch kleine Maßnahmen Flora und Fauna geschützt. Dieser Austausch ist in allen Projektgebieten fester Bestandteil der Planungen.

  • Fledermaeuse

    Konzepte für Ausgleichsflächen und Naturschutz

    Wenn neue Stadtquartiere entstehen, müssen Ausgleichsflächen für beanspruchte Naturflächen gefunden werden. Die notwendigen Maßnahmen regelt das Bundesnaturschutzgesetz. Dafür lässt die IBA Hamburg detaillierte Gutachten erstellen und arbeitet mit Fachexperten zusammen. Darüber hinaus geht die IBA Hamburg da, wo möglich, noch einen Schritt weiter und über das Mindestmaß hinaus. In Oberbillwerder bspw. wurde ein Querungskonzept erstellt. Dieses sieht "Inseln" im Quartier vor, die es Tieren ermöglicht dieses möglichst stressfrei zu queren. Auch das Konzept des Animal-Aided-Designs kommt hier zu Anwendung. In den Fischbeker Reethen wurde u. a. in einem aufwendigen Verfahren die Quartiersplanung an die Flugschneisen und Jagdhabitate der dort lebenden Fledermäuse angepasst.

„Die Städte mit ihrem Anteil von nur drei bis vier Prozent der Landfläche der Erde verbrauchen mindestens 80 Prozent der weltweiten Ressourcen. In den Städten müssen also die Anstrengungen konzentriert werden, um die Treibhausgase zu reduzieren und um auf Erneuerbare Energien umzusteigen“.

IBA Schriftenreihe; Metropole: Ressourcen

Klimaanpassung (Beispiele für Maßnahmen zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels)

  • RISA

    Neugraben-Fischbek: Mit oberflächennaher Entwässerung einen Beitrag leisten

    Ebenfalls wegweisend für den Umgang mit Regenwasser ist das im Jahr 2009 von der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt zusammen mit HAMBURG WASSER ins Leben gerufene Projekt RegenInfraStrukturAnpassung (RISA). Der Fischbeker Heidbrook ist eines der ersten RISA-Projekte. Ein nachhaltiges Regenwassermanagement wird hier konkret umgesetzt, indem Regenwasser nicht wie klassisch sofort in Rohren abgeleitet, sondern u. a. versickert, offen und oberflächennah abgeleitet oder über Mulden und Gräben zurückgehalten und verdunstet bzw. verzögert abgeleitet wird. Alle Bauherren im Quartier haben sich mit dem Grundstückskauf zu dieser Form der Entwässerung verpflichtet. Diese ortsgebundene Wasserspeicherung kommt damit dem Natur- und Ressourcenschutz zu Gute und sorgt gleichzeitig für gestalterische Qualitäten. Mehr Informationen.

  • Uebersichtskarte entwaesserung Titel Legende neu

    Oberbillwerder – gewappnet gegen Starkregenereignisse

    Durch die Folgen des Klimawandels sind neue Strategien für den Umgang mit Regenwasser erforderlich. Ein Beispiel hierfür ist Oberbillwerder: Ein detailliertes und zukunftsfähiges Entwässerungskonzept sorgt dafür, dass der neue Stadtteil auch mehr als 100-jährigen Starkregenereignissen standhalten kann. Dafür sorgt ein ausgeklügeltes System, das Retention (Regenrückhaltung) und kontrollierte Ableitung kombiniert. Der Grüne Loop verbindet als öffentlicher Freiraum den gesamten Stadtteil. Hier entstehen viele naturnahe Entwässerungsgräben. Ergänzend zum Grünen Loop als Retentionsfläche gilt hier das Prinzip der Mehrfachnutzung: Sport- und Naturflächen können bei starkem Regen größere Wassermengen aufnehmen und „geflutet“ werden. Das wasserwirtschaftliche Konzept schafft nicht nur Sicherheit, sondern auch gestalterische Qualitäten im Umgang mit alltäglichen und außergewöhnlichen Wassermengen.

  • Dach der BSW; IBA Hamburg GmbH / Bernadette Grimmenstein

    Wilhelmsburg: Grüne Dächer für ein besseres Stadtklima

    Die IBA Hamburg strebt gemeinsam mit der Stadt Hamburg einen hohen Anteil an begrünten Dächern in ihren Quartieren an, was bereits in den Bebauungsplänen festgesetzt wird. So sind beispielsweise im Spreehafenviertel, Elbinselquartier und Wilhelmburger Rathausviertel rund 50% an Gründächern vorgesehen. Eine Dachbegrünung hat viele Vorteile: Sie verbessert das Stadtklima im Quartier, hilft Energiekosten für Heizung oder Klimaanlage zu sparen, bindet Schadstoffe und bietet Raum für Tiere und Insekten, um nur einige Beispiele zu nennen. Darüber hilft ein Gründach auch bei einer verbesserten Entwässerung im Quartier, indem es Regenwasser zurückhält und dieses so von den Dächern natürlich verdunstet. Alle Vorteile von Gründächern und weitere Informationen finden Sie auf der Seite der Behörde für Umwelt und Energie. Die Quartiere der IBA Hamburg sollen aber nicht nur grüne Dächer, sondern auch grüne Fassaden haben, um auch hier die Biodiversität und ein gutes Stadtklima zu fördern.

Internationale Bauausstellung IBA Hamburg 2006 bis 2013 – Leitthema Stadt im Klimawandel

Wie kann man Wachstum und Nachhaltigkeit verbinden? Die STADT IM KLIMAWANDEL war eines von drei zentralen Leitbilder der Internationalen Bauausstellung IBA Hamburg und sollte die große Frage nach einer klimaverträglichen Zukunft der Metropole beantworten. Leuchtturmprojekte wie der Energiebunker oder der Energieberg sowie innovative Ideen wie das Algenhaus BIQ sind aus diesem Labor hervorgegangen. Aber ebenso wurden Strategien für eine nachhaltige Energieversorgung ganzer Stadtteile entwickelt. Besuchen Sie das Archiv der Internationalen Bauausstellung um mehr über die Projekte zu erfahren.

Energiebunker Foto: IBA Hamburg / Bernadette Grimmenstein

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