Fünf Fragen an...
Patrick Bauer, Bewohner eine Baugemeinschaft in Wilhelmsburg

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  • 02. Jun 2021
Patrick Bauer, Foto: IBA Hamburg

In den drei Wilhelmsburger Quartieren der IBA Hamburg sollen sich rund 20 Prozent Baugemeinschaften ansiedeln. Dafür wirbt derzeit die Kampagne „Zusammen Zuhause in Wilhelmsburg“ auf der Elbinsel. Patrick Bauer ist einer der Pioniere, die bereits in dieser Wohnform leben.

Die Neuen Hamburger Terrassen sind im Rahmen der Internationalen Bauausstellung IBA Hamburg 2006-2013 in Wilhelmsburg entstanden. Dort lebt auch die vierköpfige Familie Schröder/Bauer in ihrem Haus. Rund 30 Mitglieder einer Baugemeinschaft hatten sich damals zusammengeschlossen, um ihr neues Zuhause auf der Elbinsel zu verwirklichen. Der 49-jährige Patrick Bauer erzählt, wie es dazu kam und was auf dem Weg zum neuen Eigenheim alles beachtet werden sollte.

Was bewog Sie damals, sich mit dem Thema Baugemeinschaften auseinanderzusetzen?

Baugemeinschaften waren meiner Frau und mir schon länger bekannt, da wir einerseits als Architekten davon gehört hatten, andererseits Bekannte von uns Baugruppen beigetreten sind und wir das „Wohn- bzw. Lebensmodell“ Baugruppe so kennen- und schätzen gelernt haben. Es erschien uns als großer Vorteil, die Teilnehmerinnen und Teilnehmer einer Baugruppe in einem frühen Stadium kennenzulernen, um festzustellen, ob wir uns vorstellen könnten, gemeinsam zu bauen und zusammen zu leben. Und eins darf man nicht vergessen: Der Gedanke, ohne Bauträger und Makler zu bauen, war uns natürlich auch sympathisch.

Wie hat man Ihnen bei all den Planungen geholfen?

Das Projekt wurde von der IBA Hamburg von vornherein als Baugruppenprojekt entwickelt. Daher musste die Baugruppe nicht bei „Null“ anfangen, sondern konnte auf die Vorarbeit der IBA Hamburg aufbauen. Die Baugruppe wurde zudem durch einen professionellen Baugruppenbetreuer gesteuert – sowohl in wirtschaftlicher als auch in technischer Hinsicht. Letztendlich hat der den ganzen Prozess moderiert und dafür gesorgt, dass wir uns nicht in unendlichen Diskussionen verloren haben, sondern dass Entscheidungen auch tatsächlich termingerecht vorlagen.

Was raten sie Nachahmern bei der eigenen Initiative im Vorfeld zu beachten?

Ein Baugruppenprojekt lebt nicht nur von der inhaltlichen Beteiligung der Mitglieder – sie ist geradezu darauf angewiesen. Ab dem Moment, wo man einer Baugruppe beitritt, hat man also plötzlich ein neues, ziemlich zeitintensives „Hobby“: die Baugruppe. Schön ist es, wenn in der Baugruppe Mitglieder sind, die über technischen oder wirtschaftlichen Sachverstand verfügen. Man muss sich auch als Baugruppe klarmachen, dass der Zeitraum von der ersten Idee bis zum Einzug einige Jahre dauern kann – je nachdem, wie weit das Grundstück schon entwickelt ist. Daher unser persönlicher Tipp für Interessierte mit Kindern: Je kleiner die Kinder bei Baugruppengründung sind, desto besser!

Was ist das Erfreuliche an einer Baugemeinschaft?

Eine Baugruppe „schweißt“ zusammen. Der Gemeinschaftsgedanke bleibt im Mittelpunkt – auch wenn man rechtlich nach Bezug zu einer Wohneigentumsgemeinschaft (WEG) wird. In den ersten Jahren ist der Zusammenhalt sehr eng, später etwas lockerer. Gemeinsame Feste und Veranstaltungen stärken den Zusammenhalt und wir unterstützen uns gegenseitig. Wir sind jetzt im achten Jahr nach Bezug – und es macht weiterhin Freude, Teil der Baugruppe zu sein.

Aber ganz ohne Rückschläge verläuft so ein Projekt dann doch nicht. Die Erwartungshaltung an das Gebäude und seine Qualitäten waren anfangs sehr hoch, da jeder seine Vorstellungen – z. B. an Ökologie, äußere Gestaltung, individuelle Grundrisse – verwirklicht sehen will. Das war nicht immer realistisch – und führte sicherlich auch zu Enttäuschungen. Wir mussten z. B. einige Abstriche in den Qualitäten machen, da wir ursprünglich Holzfenster verbauen wollten, uns aber letztendlich für Kunststofffenster entscheiden mussten.

Was ist das Besondere, in einer Baugemeinschaft, gerade in Wilhelmsburg, zu wohnen?

Wilhelmsburg hat viele Vorzüge: zentrumsnah, aber trotzdem von Natur umgeben. Selbst die Industriegebiete haben bei einer sonntäglichen Radtour ihren Charme. Der Stadtteil selbst ist im Aufbruch – eigentlich schon seit vielen Jahren. Es gibt Fortschritte – aber auch Rückschläge. Das kann man anschaulich sehen, wenn neue Läden öffnen oder andere Läden schließen müssen. Die Baugruppe gibt uns einen grundsätzlichen, gemeinsamen Rückhalt – einen Rückzugsort. Von dort aus „Verknüpfen“ wir uns mit dem Stadtteil und seinen Bewohnerinnen und Bewohnern, denn auch wenn Wilhelmsburg eine Insel ist, wollen wir als Baugruppe keine isolierte Insel sein.

Besuchen Sie uns im Netz auf Zusammen Zuhause in Wilhelmsburg, um mehr zum Thema Baugemeinschaften in den Quartieren Wilhelmsburger Rathausviertel, Elbinselquartier und Spreehafenviertel zu erfahren..

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