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Fünf Fragen an...
... Lina Boysen, Projektmanagerin bei der IBA Hamburg

  • Aktuelles
  • 07. Apr 2026
Lina Boysen

Wie bleibt Wärmeversorgung in neuen Quartieren klimafreundlich, bezahlbar und zukunftssicher? Und warum lohnt es sich, Energie nicht nur gebäudeweise, sondern im Maßstab ganzer Quartiere zu denken?

Lina Boysen, Ingenieurin für Energie- und Umwelttechnik und seit März 2021 bei der IBA Hamburg, verantwortet die Themen Energie, Wärmeversorgung und ökologische Nachhaltigkeit in den IBA Quartieren. Im Interview erklärt sie, wie moderne Wärmekonzepte funktionieren, warum Vielfalt ein Vorteil ist – und was andere Stadtteile daraus lernen können.

Die IBA Hamburg plant neue Quartiere für viele Jahrzehnte. Wie stellen wir sicher, dass die Wärmeversorgung langfristig klimafreundlich, resilient und bezahlbar bleibt – gerade mit Blick auf neue gesetzliche Vorgaben?

Lina Boysen: In allen drei großen IBA-Quartieren setzen wir konsequent auf quartiersweite Wärmenetze. Diese werden über langfristige Konzessionsverträge vergeben, die klare Qualitätsanforderungen festschreiben: den Einsatz erneuerbarer Energien und Abwärme, sehr niedrige CO₂ Emissionen, transparente Preisstrukturen und einen verbindlichen Dekarbonisierungspfad. Dieser beschreibt den geplanten Weg, wie Treibhausgas‑Emissionen Schritt für Schritt reduziert werden, um langfristig klimaneutral zu werden.

Wichtig ist dabei auch die Flexibilität: Unsere Konzepte sind modular aufgebaut und nutzen mehrere Wärmequellen. So können sie an neue gesetzliche Anforderungen oder technologische Entwicklungen angepasst werden, ohne das gesamte System neu erfinden zu müssen.

In Wilhelmsburg, den Fischbeker Reethen und Oberbillwerder kommen unterschiedliche Technologien zum Einsatz. Warum setzt die IBA Hamburg nicht auf eine Einheitslösung?

Lina Boysen: Weil jedes Quartier andere räumliche, städtebauliche und energetische Voraussetzungen mitbringt. Die Wärmenetze sind überall gesetzt, aber die konkreten Wärmequellen unterscheiden sich.

In Wilhelmsburg nutzen wir beispielsweise mitteltiefe Geothermie, in Oberbillwerder Abwasser und Luftwärme, in den Fischbeker Reethen Luftwärme. Allen gemeinsam ist der Einsatz großer Wärmepumpen, die vorhandene Potenziale vor Ort nutzen. Diese Vielfalt macht die Systeme robuster und am Ende auch effizienter.

Wärmeversorgung ist bei der IBA Hamburg kein isoliertes Technikthema. Wie fügt sie sich in die Gesamtlogik der Quartiere ein?

Lina Boysen: Genau hier liegt ein großer Vorteil der Quartiersperspektive. Flächen werden bei uns mehrfach genutzt: Dächer dienen gleichzeitig der Regenwasserrückhaltung, der Begrünung und der Energieerzeugung. Grünflächen bleiben nutzbar, obwohl darunter Erdwärme oder Abwasserwärmetauscher liegen.

In Oberbillwerder integrieren wir Energiezentralen sogar in Mobility Hubs. Und: Große Wärmepumpen im Quartier arbeiten deutlich effizienter, als wenn jedes Gebäude für sich eine eigene Lösung hätte. Viele Synergien entstehen also erst im Zusammenspiel.

Wie werden zukünftige Bewohner:innen oder lokale Akteur:innen in Entscheidungen zur Wärmeversorgung eingebunden – und wie lassen sich solche komplexen Themen gut erklären?

Lina Boysen: Im Rahmen der Planung wird eine umfassende Energiefachplanung in Abstimmung mit der Hamburger Umweltbehörde BUKEA und dem jeweils zuständigen Bezirk (oder in Abstimmung mit den relevanten städtischen Akteuren) erstellt, um die Potenziale am jeweiligen Standort zu erfassen. Hierbei werden insbesondere die vorliegenden Energiequellen, aber auch lokale Abwärmequellen identifiziert, um alle Möglichkeiten der Wärmeversorgung im jeweiligen Quartier zu analysieren und Anforderungen entsprechend der örtlichen Rahmenbedingungen zu stellen. Die Wärmeversorgung wird anschließend über eine EU weite Konzessionsvergabe ausgeschrieben. Dabei reichen Energieversorgungsunternehmen ihre eigenen Konzepte ein, solange sie die vorgegebenen Anforderungen erfüllen. Eine direkte Beteiligung von Bürgern findet in diesem Verfahren nicht statt.

Umso wichtiger ist die Kommunikation: Erklärformate wie kurze Filme oder anschauliche Grafiken helfen, die Funktionsweise und Vorteile der Systeme verständlich zu machen – gerade bei abstrakten Themen wie Geothermie oder Abwärmenutzung.

Welche Erkenntnisse aus den IBA-Quartieren lassen sich auf andere Hamburger Stadtteile übertragen?

Lina Boysen: Ganz klar: modulare, erweiterbare Systeme sind ein großer Vorteil. Sie erlauben es, Anlagen auszutauschen oder zu ergänzen, wenn sich Rahmenbedingungen ändern. Auch die Kombination verschiedener Technologien und mehrere Energiezentralen erhöhen die Versorgungssicherheit.

Und schließlich: Multicodierung sollte von Anfang an mitgedacht werden. Flächen sollten so geplant sein, dass sie mehrere Funktionen erfüllen. Das spart Platz, Ressourcen und macht Quartiere insgesamt zukunftsfähiger.

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