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Weltquartier

 

Im südlichen Reiherstiegviertel, wo eine Nachbarschaft aus über 30 Nationen zu Hause ist, wird seit 2009 eine ehemalige Arbeitersiedlung modernisiert, umgebaut und durch Neubauten ergänzt. Flankiert von einem umfangreichen und innovativen Beteiligungsprozess entsteht bis Anfang 2015 das Weltquartier, ein Modellprojekt für interkulturelles Wohnen. Insgesamt werden knapp 770 Wohneinheiten von SAGA GWG nach den Plänen von sieben Architekturbüros um- bzw. neu gebaut sowie bis zu 46 Gewerbeeinheiten im zukünftigen Welt-Gewerbehof geschaffen. Seit Anfang 2013 erfolgt eine regenerative Wärmeversorgung durch den benachbarten Energiebunker.

 

Die klassische Hamburger Backsteinsiedlung an der Weimarer Straße im südlichen Reiherstiegviertel wurde größtenteils in den 1930er Jahren erbaut und war ursprünglich für Arbeiter der nahen Hafenbetriebe vorgesehen. Durch den Zweiten Weltkrieg und die Flut im Jahr 1962 hat das Quartier viele bauliche und soziale Umbrüche erlebt. Trotz des hohen Alters der Gebäude und über viele Wechsel der Bewohnerschaft hinweg ist das Quartier beliebt geblieben. Vor dem Umbau war die Siedlung Heimat für 1.700 Bewohner aus über 30 Herkunftsländern. Unzeitgemäße Grundrisse und der in die Jahre gekommene Zustand der Wohnungen zeigten jedoch einen unumgänglichen Sanierungsbedarf auf.

 

Der anstehende Umbau sollte in besonderer Weise den verschiedenen Bedürfnissen der multikulturellen Nachbarschaft Rechnung tragen und das frühzeitige Mitwirken der Bewohner bekam eine zentrale Bedeutung im Gesamtprozess. Die IBA Hamburg und die SAGA GWG haben dazu im Jahr 2007 ein besonderes Beteiligungsverfahren erprobt: eine "Interkulturelle Planungswerkstatt".

 

Die Erfahrung hatte gezeigt, dass Einwanderer mit der herkömmlichen "deutschen" Beteiligungskultur nur selten erreicht werden. So wurde die Planungswerkstatt von Beginn an als mehrsprachiges Gemeinschaftserlebnis inszeniert, bei dem jeder seine Ideen zur Umgestaltung einbringen konnte. Der direkte Dialog durch sog. "Heimatforscher" an der Haustüre war im Weltquartier dann der Schlüssel zum Erfolg: Ein halbes Dutzend Studierende der Universität Hamburg sprachen mehrere Fremdsprachen und befragten die Menschen vor Ort zunächst zu ihrer eigenen Vorstellung von Heimat und erst im zweiten Schritt zu ihrer Wohnsituation. So konnten kulturspezifische Wünsche für den Umbau der Siedlung in Erfahrung gebracht werden und das Vertrauen in den Beteiligungsprozess erhöht werden. In zwei Workshops wurde die Beteiligung schließlich fortgeführt. Erwachsene und Kinder diskutierten mehrsprachig und arbeiteten mit Fotos und Modellen an neuen Wohnungsgrundrissen und Freiraumkonzepten. Als Höhepunkt der Planungswerkstatt verband ein Aktionswochenende die gemeinsame Planung - hier ergab sich auch die Gelegenheit zu spontanen Vier-Augen-Gesprächen.

 

Die Ergebnisse der Interkulturellen Planungswerkstatt flossen in einen Empfehlungskatalog, der Bestandteil des städtebaulichen Ideenwettbewerbs zur Umgestaltung des Weltquartiers wurde. Viele der Wünsche sind heute Realität: So wünschten sich die Bewohner ein neues Zentrum für das Quartier und eine Verbesserung der Freiflächensituation, sie forderten familiengerechtere Wohnungen mit mehreren kleinen Zimmern und verbessertem Schallschutz und sie setzten weitere räumliche Handlungsschwerpunkte.

 

Für die Dauer der Bauarbeiten musste die SAGA GWG die Mieter zwar größtenteils innerhalb des Stadtteils umquartieren, alle Mieter bekamen jedoch die Möglichkeit, in das sanierte Quartier und ihre vertraute Nachbarschaft zurückkehren. Fazit: Mehr als 80% der ursprünglichen Mieter wohnen nach dem Umbau entweder wieder im Weltquartier oder sind auf der Elbinsel geblieben. In einigen Häusern in der Weimarer Straße leben zu 100% Menschen, die auch schon vorher im Quartier gewohnt haben. Durch die öffentliche Förderung bleiben die Mieten zudem auf einem günstigen Niveau, sodass das Ziel der IBA Hamburg greift, Verdrängungen innerhalb der angestammten Mieterschaft zu vermeiden.

 

Ein kleiner Spaziergang durch das Quartier

 

Das mit dem 1. Preis in einem Ideen- und Realisierungswettbewerb (kfs krause feyerabend sippel Architektur + Innenarchitektur, Lübeck mit ARGE Sven Andresen + Urte Schlie Landschaftsarchitektur, Lübeck) ausgezeichnete Konzept wird seit 2009 umgesetzt und durch einzelne Ankäufe baulich ergänzt. Den Auftakt im Norden an der Neuhöfer Straße bilden ein fünfgeschossiges U-förmiges Haus mit einem asymmetrischen Satteldach im Passivhaus-Standard und ein siebengeschossiger Neubau (Ankauf, Gerber Architekten) als städtebauliche Reaktion auf die Bauten an der Veringstraße und dem benachbarten Energiebunker.

 

Entlang der Weimarer Straße folgen dann in Richtung Süden die bereits bezogenen Umbauten (1. Preis, kfs Architekten), die den Energiestandard nach EnEV 2009 erreichen. In den ersten drei Gebäuden auf der östlichen Seite leben heute ausschließlich Menschen, die auch schon vorher im Weltquartier gewohnt haben. Weiter südlich und direkt am Weimarer Platz gelegen, schließt sich ein modernisiertes, L-förmiges Gebäude (2. Preis im Wettbewerb, Knerer+Lang Architekten) an. Der Spielplatz im Hinterhof wurde in einem umfangreichen Werkstattverfahren mit den Kindern des Quartiers gestaltet und in die Realität umgesetzt.

 

Wo die Weimarer Straße nach Osten schwenkt und früher viele Parkplätze und dichter Baumbestand einen Quartiersplatz nur vermuten ließen, ist nach dem Umbau (1. Preis, Sven Andresen Landschaftsarchitekt) ein freundlicher, heller und zentraler Platz mit Spiel- und Sitzmöglichkeiten entstanden. Insgesamt 50 von Elbinsulanern gestaltete, farbige Betonplatten wurden dabei über den neuen Weimarer Platz verteilt in den Boden eingelassen. Durch den Abriss eines Gebäudeteils im Westen konnte eine zusätzliche Verbindung in Richtung des benachbarten Veringkanals geschaffen werden, zwischen den einzelnen Gebäuden wurden weitere Wege (aus-)gebaut und gestärkt. Im Zentrum des verkehrsberuhigten Platzes thront der in 2010 eröffnete und mittlerweile durch zwei Vereine aus dem Stadtteil betriebene Pavillon (Ankauf, Kunst+Herbert Architekten), deren tägliche Angebote hauptsächlich von den Bewohnern des Quartiers genutzt werden.

 

Südwestlich des Weimarer Platzes schließen sich dann drei weitere Neubauten (Knerer+Lang Architekten) an. Diese werden im Herbst 2013 bezogen sein. Das Ensemble bildet den südlichen Abschluss des begrünten und durch Garteninseln ergänzten Innenbereichs mit seinen mäandrierenden Wegen zwischen Weimarer Straße und Veringstraße. Die Bebauung östlich der Veringstraße (Ankauf, petersen pörksen partner) wird Beginn 2015 fertig gestellt sein und bildet den Übergang zum benachbarten Veringkanal mit Freibad und Liegeplätzen.

 

Den baulichen Abschluss des Wohnquartiers bildet ein weiß verputzter Neubau (Knerer+Lang Architekten) mit einer asymmetrischen Dachform in dem 24 Wohnungen im Passivhaus-Standard direkt am Gert-Schwämmle-Weg entstanden sind.

 

Folgt man dem darauf entstandenen Freizeitrundkurs ein Stück gen Osten gelangt man zum Eingang des zukünftigen Welt-Gewerbehofes. Hier werden bis Mitte 2013 unter einem transparenten Dach flexible gewerbliche Einheiten für Klein- und Kleinstbetriebe sowie migrantische Existenzgründer entstehen. In einem mit dem Investor Gebäudemanagement Hamburg (GMB) eigens durchgeführten Architekturwettbewerb hat sich diese spektakuläre Lösung (1. Preis, Dalpiaz+Giannetti Architekten) durchsetzen können. Das Projekt will Arbeiten und Wohnen stadtverträglich ermöglichen und zugleich die lokale Ökonomie stärken.

 

 

Meilensteine des Projekts

  • Mai 2007: Interkulturelle Planungswerkstatt Weltquartier
  • April 2008: Städtebaulicher Ideen- und Realisierungswettbewerb Weltquartier
  • Juni 2009: Baubeginn Weltquartier
  • April 2010: Gutachterverfahren Welt-Gewerbehof
  • August 2010: Fertigstellung Pavillon Weltquartier
  • Sommer 2011: Fertigstellung Bauabschnitte IIa und IIb
  • Herbst 2012: Fertigstellung Bauabschnitte IIIa und IIIb, Baubeginn Welt-Gewerbehof
  • September 2013: Fertigstellung Bauabschnitte VI und VIII
  • Juni 2013: V
  • Nov 2013: VII
  • Juli 2014: BA IV
  • Oktober 2013: Welt-Gewerbehof
  • Anfang 2015: Fertigstellung Bauabschnitt IX
  • Anfang 2015: Fertigstellung Bauabschnitt X



Das Projekt wurde durch Mittel aus dem Rahmenprogramm Integrierte Stadtteilentwicklung (RISE) finanziert.

 

 

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KENNDATEN

Baubeginn:
2009

Fertigstellung:
Anfang 2015

Wohnungen insgesamt:
820 Wohnungen (öffentlich geförderte Mietwohnungen, 1. Förderweg)

Umbau:
402 Wohnungen

Neubau:
284 Wohnungen

Modernisiert:
67 Wohnungen

Gewerbeeinheiten:
46 (davon 40 im Welt-Gewerbehof)

Investitionsvolumen:
mehr als 100 Mio. Euro

Auszeichnung 2013:
Deutscher Bauherrenpreis für die Altbausanierung durch kfs Architekten

PREISE UND AUSZEICHNUNGEN

Deutscher Städtebaupreis 2014 verliehen von der Deutschen Akademie für Städtebau und Landesplanung

Carl-Friedrich Fischer Preis 2014 - Humanes Wohnen, 1. Rang (Kopfbauten)

BDA Hamburg Architektur Preis 2014, 1. Rang (Kopfbauten)

BDA Hamburg Architektur Preis 2014, Publikums Architekturpreis 2. Rang (Kopfbauten)

Deutscher Bauherrenpreis 2016, Kategorie Neubau

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ARCHITEKTEN

kfs-Architekten
Willy-Brandt-Allee 31c
23554 Lübeck

knerer und lang
Werner-Hartmannstraße 6
01099 Dresden

Gerber Architekten
Schaarsteinwegsbrücke 2
20459 Hamburg

petersen pörksen partner
architekten und stadtplaner bda
Pickhuben 4
20457 Hamburg

Kunst+Herbert Architekten
Henriettenweg 1
20259 Hamburg

dalpiaz+giannetti architekten
Bahrenfelder Strasse 263
22765 Hamburg

LANDSCHAFTSARCHITEKTEN

Sven Andresen Landschaftsarchitektur
An der Hülshorst 73
23568 Lübeck

Garten- u. Landschaftsarchitekten MAA
Breimann & Bruun
Borselstr. 18, Borselhof
22765 Hamburg