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Wie bleibt Wärmeversorgung in neuen Quartieren klimafreundlich, bezahlbar und zukunftssicher? Und warum lohnt es sich, Energie nicht nur gebäudeweise, sondern im Maßstab ganzer Quartiere zu denken? Lina Boysen, Ingenieurin für Energie- und Umwelttechnik und seit März 2021 bei der IBA Hamburg, verantwortet die Themen Energie, Wärmeversorgung und ökologische Nachhaltigkeit in den IBA Quartieren. Im Interview erklärt sie, wie moderne Wärmekonzepte funktionieren, warum Vielfalt ein Vorteil ist – und was andere Stadtteile daraus lernen können.
Die IBA Hamburg plant neue Quartiere für viele Jahrzehnte. Wie stellen wir sicher, dass die Wärmeversorgung langfristig klimafreundlich, resilient und bezahlbar bleibt – gerade mit Blick auf neue gesetzliche Vorgaben?
Lina Boysen: In allen drei großen IBA-Quartieren setzen wir konsequent auf quartiersweite Wärmenetze. Diese werden über langfristige Konzessionsverträge vergeben, die klare Qualitätsanforderungen festschreiben: den Einsatz erneuerbarer Energien und Abwärme, sehr niedrige CO₂ Emissionen, transparente Preisstrukturen und einen verbindlichen Dekarbonisierungspfad. Dieser beschreibt den geplanten Weg, wie Treibhausgas‑Emissionen Schritt für Schritt reduziert werden, um langfristig klimaneutral zu werden.
Wichtig ist dabei auch die Flexibilität: Unsere Konzepte sind modular aufgebaut und nutzen mehrere Wärmequellen. So können sie an neue gesetzliche Anforderungen oder technologische Entwicklungen angepasst werden, ohne das gesamte System neu erfinden zu müssen.
In Wilhelmsburg, den Fischbeker Reethen und Oberbillwerder kommen unterschiedliche Technologien zum Einsatz. Warum setzt die IBA Hamburg nicht auf eine Einheitslösung?
Lina Boysen: Weil jedes Quartier andere räumliche, städtebauliche und energetische Voraussetzungen mitbringt. Die Wärmenetze sind überall gesetzt, aber die konkreten Wärmequellen unterscheiden sich.
In Wilhelmsburg nutzen wir beispielsweise mitteltiefe Geothermie, in Oberbillwerder Abwasser und Luftwärme, in den Fischbeker Reethen Luftwärme. Allen gemeinsam ist der Einsatz großer Wärmepumpen, die vorhandene Potenziale vor Ort nutzen. Diese Vielfalt macht die Systeme robuster und am Ende auch effizienter.
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