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Die Insellandschaft erleben

Deichpark Elbinseln

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Karsten Wessel
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Deichpark Elbinseln

 

Rund um die Elbinseln schützen Deiche und Hochwasserschutzwände vor der Flut. Ihre Bedeutung wird mit den Folgen des Klimawandels künftig weiter zunehmen. Neben dem Hochwasserschutz als technisches Bauwerk soll auch die ästhetische Funktion der Deiche als Landschaftsräume wieder stärker in den Fokus rücken. Das Projekt "Deichpark Elbinsel" vereint den Sicherheitsanspruch mit neuen Möglichkeiten, die Insellandschaft zu erleben und sucht nach zukunftsweisenden Ideen für die wasserbezogene Stadtentwicklung.

 

Schon seit Jahrhunderten prägen Deiche das Landschaftsbild am Elbufer. Die Eindeichung des Gebietes im 13. Jahrhundert machte es überhaupt erst möglich, die Elbinseln dauerhaft zu besiedeln. Seitdem haben sich die Deichbauwerke immer wieder in ihrer Lage, ihrer Länge, ihrer Höhe und der Nutzung der Landschaft geändert. Waren die Deiche 1693 nur etwa drei Meter hoch, haben sie heute eine Höhe bis zu 8,35 Meter über Normalnull (NN). Durch die stetige Erhöhung dieser Bauwerke verloren viele Bewohnerinnen und Bewohner den Bezug zum Wasser - mit ihm schwand das Verständnis der Gefahr, aber auch das der Lebensqualität, die vom Wasser ausgeht. Nur noch bei schweren Sturmflutereignissen wird den Menschen die Bedeutung der Deiche bewusst.

 

Ihre Bedeutung wird aber mit den Folgen des Klimawandels und dem Anstieg der Meeresspiegel weiter zunehmen. Die Deichbauwerke müssen Schutz vor Hochwasser bieten, gleichzeitig soll ihr Potenzial als attraktiver Erholungs- und Freizeitraum am Wasser weiter entwickelt werden. Das Projekt "Deichpark Elbinsel" widmet sich dieser Aufgabe. Gemeinsam mit einem Projektbeirat, der sich aus dem Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer, der Hamburg Port Authority, der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt, KLIMAZUG-NORD, der Technischen Universität Hamburg-Harburg und dem Deichverband Wilhelmsburg zusammensetzt, arbeitet die IBA Hamburg an der Frage, wie sich die Gestaltung der Hochwasserschutzanlagen mit der Gestaltung der Landschaftsräume verbinden lässt.

 

Die neuen Bemessungswasserstände für den Sturmflutschutz, die der Senat im Oktober 2012 beschlossen hat, bieten die Möglichkeit, den jetzigen Deichpark zu ändern. Denn der Deichpark ist eigentlich schon da, nur wird die 27 Kilometer lange Linie aus Deichen und Hochwasserschutzwänden nicht als Park, sondern eher als Barriere wahrgenommen. Mit der Erhöhung der Hochwasserschutzwände können nun auch die Linienführung und die Gestaltung der Anlagen neu durchdacht werden.

 

Zwei Orte stehen im Mittelpunkt des Deichparkprojekts: das Tidegebiet Kreetsand und der Spreehafen. Der Klütjenfelder Hauptdeich am Spreehafen ist einer der ersten Deiche, der im Zuge der neuen Bemessungswasserstände bis 2016 erhöht wird. Gemeinsam mit dem Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer führt die IBA Hamburg im Frühjahr 2013 ein Planungsverfahren durch. Unter Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger sollen Entwürfe erarbeitet werden, wie der Klütjenfelder Hauptdeich erhöht und gleichzeitig als Parklandschaft genutzt werden kann, ohne die Hochwasserschutzfunktion zu gefährden. Außerdem sollen in dem Planungsverfahren Lösungen für eine integrierte städtische Planung am Deich Veddel Nord entwickelt werden, die den Verkehr, die stadträumlichen und freiraumplanerischen Aspekte und die notwendige Umgestaltung des Deichs berücksichtigen.

 

Ziel des Deichparkprojekts ist es, einen langfristigen, behördenübergreifenden Prozess der wasserbezogenen Stadtentwicklung zu initiieren. Die Offenheit der beteiligten Akteure, sich mit einem scheinbar völlig durch Gesetze, Verordnungen und besonderen Regeln determinierten Bauwerk zu beschäftigen und dabei die Spielräume und Potentiale hinter den Regeln zu entdecken, birgt die Chance, Hochwasserschutzanlagen auf eine neue Zukunft in Zeiten des Klimawandels vorzubereiten. Das Projekt "Deichpark Elbinsel" der IBA Hamburg stellt einen Laborraum dar, in dem letztlich für alle vom Hochwasser betroffenen Gebiete Hamburgs konkrete Ideen für den Hochwasserschutz entwickelt und ausprobiert werden können - und stößt eine neue Form der Kooperation an, die weit über die Laufzeit der IBA Hamburg hinausträgt.