Die Internationale Bauausstellung IBA Hamburg lud Ende 2009 zum gemeinsamen Rückblick auf das vergangene Jahr und zum Ausblick in das Jahr 2010 ein in die Räumlichkeiten der Kunstsammlung Falckenberg.
Bildung ist eines der zentralen Themen, wenn es um die Zukunft der Metropolen geht. Deshalb hat die IBA Hamburg das Thema in den diesjährigen Fokus gestellt. Der Übergang von der Industrie- zur Wissensgesellschaft verlangt eine neue Art des Lernens. Der städtische Raum und die Architektur der Bildungseinrichtungen können dafür einladende, ermutigende und inspirierende Räume schaffen.
Und so beleuchtet die Veranstaltung das Verhältnis von Stadt und Bildung und bricht es auf konkrete Projekte herunter. Darüber hinaus wird die Bauausstellung in der Bauausstellung mit ihren vier Zukunftsbautypologien „Hybrid Houses“, „Smart Material Houses“, „Smart Price Houses“ und „Water Houses“ vor- und zur baukulturellen Diskussion gestellt. Im Spannungsfeld zwischen Stadtentwicklung und Kunst gedeiht das kreative Quartier Elbinsel, seine Chancen und Risiken werden im Rahmen der Veranstaltung hinterfragt.
Der Gastgeber Dr. Harald Falckenberg und der Geschäftsführer der IBA Hamburg GmbH, Uli Hellweg begrüßen die Gäste zum IBA FORUM 2009 METROPOLE: BILDEN. Uli Hellweg betont, dass der Schwerpunkt des Forums der Komplexität des Zusammenspiels von Stadt und Bildung gewidmet sei und dem Bewusstsein, dass Räume auf vielen Ebenen auf Menschen wirkten und damit im engen wie im weiten Wortsinn zur „Bildung“ des Menschen beitrügen.
IBA at Work | Das IBA Jahr 2009
„Das richtige Gespür zur richtigen Zeit für die richtigen Themen“ zu haben, sei nicht nur ein Kennzeichen der Sammlung Falckenberg, sondern auch ein Ziel der IBA, so leitet Uli Hellweg seinen Vortrag „IBA at WORK“ ein, in dem er einen Rückblick auf das IBA Jahr 2009 gibt. Die rund 40 IBA-Projekte sowie der zahlreichen Veranstaltungen widmen sich jenen Themen, die in Zukunft das Leben der Menschen in den Städten besonders prägen: Der Stadt als Kosmopolis – die all ihren Bewohnern Chancen eröffnet; der Stadt der Metrozonen – der inneren Peripherien, die zu lebenswerten Orten werden; der Stadt im Klimawandel – einer Stadtlandschaft, die mehr Energie erzeugt, als sie verbraucht.
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Buchvorstellung „METROPOLE: BILDEN“
Der 3. Band der IBA-Schriftenreihe „METROPOLE: BILDEN“, erfasst die aktuelle Bildungsdebatte. Dirk Meyhöfer, als Teil des Redaktionsteams mit Olaf Bartels, stellte ihn im Gespräch mit Dr. Gesa Birnkraut vor. Der Band zeichnet dadurch aus, dass hier erstmals das vielschichtige Verhältnis von Stadt und Bildung beleuchtet und auf konkrete Projekte heruntergebrochen wird. Dafür lieferten internationale Referenten aus den Bereichen Bildung Kultur und Architektur wertvolle Impulse die durch Interviews, Best Practice Beispiele und eine sinnlichen Fotostrecke multiperspektivisch aufgefächert werden. Auch in diesem Jahr gewährt die IBA Hamburg wieder einen Blick in ihre Planungswerkstatt und stellt im Kaptitel „IBA at WORK“ den Stand von Projekten und Dialogverfahren vor.
Mehr Informationen zur Publikation „METROPOLE: BILDEN“, dem dritten Band der IBA-Schriftenreihe finden Sie in der Mediathek der IBA Hamburg
Impulsreferate
Drei Impulsreferate von Prof. Dr. Karen van den Berg (Zeppelin University, Friedrichshafen), Prof. Manfred Hegger (HHS Planer und Architekten AG, Kassel) sowie Aslı Sevindim und Mustafa Tazeoglu (beide RUHR 2010, Essen) reflektieren die Projekte der IBA Hamburg aus ihrer jeweiligen externen Perspektive und stimmen auf den Informationsmarkt am Nachmittag der Veranstaltung ein, bei dem die Teilnehmer die Möglichkeit haben, sich über die konkreten Projekte der IBA zu informieren und mit den Projektkoordinatoren der IBA zu diskutieren.
Impuls 1 | Bilden und Architektur
Prof. Dr. Karen van den Berg verweist in ihrem Impulsreferat auf Studien, die belegten, dass ein Zusammenhang zwischen Gebäudearchitektur und Bildungserfolg bestehe. Verschiedene Beispiele zeigten, welchen Stellenwert die Kulturalisierung der Architektur durch ihre Nutzer habe und wie beispielsweise Schulgebäude positiv wie negativ einerseits auf Bildungsprozesse, andererseits als Imagefaktoren wirken könnten. Prof. van den Berg warnt dabei vor einer Verwechslung von Bildungspolitik mit Wirtschaftspolitik, bei der Schulen nur unter dem Aspekt des Standortfaktors gesehen würden. Sie vertritt die Meinung, dass auch der architektonische Planungsprozess von Schulgebäuden partizipativ und transparent geführt werden solle, da sich hier mitunter eine Machtfrage der Positionierung im sozialen Raum manifestieren würde.
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Impuls 2 | Bauen und Baukultur
Prof. Manfred Hegger zeigt in seinem Impulsreferat auf, wie eng die Schwerpunkte der baukulturellen Bewegung, nämlich Gesellschaft, Ökonomie und Ökologie, mit den Themen der IBA verschränkt sind. So fände sich im Begriff der Baukultur neben den Aspekten Technik, Natur, Schönheit und Geborgenheit auch der Anspruch von Verantwortung und Nachhaltigkeit wieder. Dies seien Themen, die in der „Bauausstellung in der Bauausstellung“ aufgegriffen würden. Somit könne Baukultur für die IBA wie ein Leitgedanke wirken, der dazu anrege, Neues und Ungewöhnliches zu wagen und eine kontroverse Diskussion nicht zu scheuen.
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Impuls 3 | Kunst und Stadtentwicklung
Aslı Sevindim und Mustafa Tazeoglu stellen in ihrem Impulsreferat das Projekt der Kreativen Quartiere der Kulturhauptstadt Ruhr 2010 vor. Bei ihnen werde erstmals mit der Integration der Creative Industries auch der Faktor Wirtschaft in eine „Kulturhauptstadt“ einbezogen. Sie betonen, dass es für das Gelingen dieser Quartiere von elementarer Wichtigkeit sei, den Menschen vor Ort nicht nur einseitig Angebote zu machen. Vielmehr gelte es, ihnen zuzuhören und in einem gemeinsamen Prozess die Quartiere zu gestalten. Nur so könnten authentische Berührungspunkte für ein kreatives Miteinander gefunden werden.
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Informationsmarkt
Um den Austausch interaktiv zu gestalten wurde ein Informationsmarkt aufgebaut. An drei Themenständen konnten sich die Teilnehmenden in wechselnder Reihenfolge über drei ausgewählte Themengebiete informieren:
- Gut zu wissen - Bildungsoffensive Elbinseln
- Zukunft entwerfen: Bauausstellung in der Bauausstellung
- Neues wagen: Kreatives Quartier Elbinsel
Jeweils 20 Minuten stellten die Projektkoordinatoren der IBA Hintergründen und Details der Projekte vor 2009 vor und beantworten im moderierten Gespräch die Fragen der Zuhörerinnen und Zuhörer. Der direkte Austausch stand dabei neben der Information im Mittelpunkt.
Factsheets zu den Projekten und Zusammenfassungen der Diskussionen finden Sie hier:
Gut zu wissen - Bildungsoffensive Elbinseln
Zukunft entwerfen: Bauausstellung in der Bauausstellung
Neues wagen: Kreatives Quartier Elbinsel
Grußwort des Ersten Bürgermeisters der Freien und Hansestadt Hamburg
In einem Grußwort ermutigt Hamburgs Erster Bürgermeister Ole von Beust die IBA Hamburg, weiterhin modellhafte Lösungen für die Zukunft der Städte im 21. Jahrhundert zu realisieren. Er lobt den Dialog, den die IBA dabei in vielen gesellschaftlichen Schichten anrege, und der dafür sorge, dass die Prozesse nicht über die Köpfe der Menschen hinweg entwickelt würden. Eine der größten gesellschaftlichen Aufgaben sieht der Erste Bürgermeister in der Integration von Zuwanderern bei Erhaltung der eigenen kulturellen Identität. Bildung ist hierbei ein Schlüsselthema. Um einer „Desintegration“ zu begegnen, dürften sich auch so genannte Eliten nicht aus der Verantwortung ziehen.
Conclusio
In einer anschließenden Conclusio schildern Prof. Dr. Karen van den Berg, Aslı Sevindim, Mustafa Tazeoglu und Prof. Manfred Hegger ihre Eindrücke des Tages. Einigkeit bestand darin, dass die IBA mit ihren Leitthemen die wichtigen Fragen der Entwicklung der Städte aufgreift. Nun gehe es darum, die Menschen vor Ort mitzunehmen und Verantwort abzugeben. Der IBA möge der Spagat gelingen die Anknüpfungspunkte an vorhandene Strukturen aufzunehmen und mit ihrem Innovationspotenzial zugleich neue Impulse zu setzen.
Abschluss und Ausblick
Den Abschluss des Tages bildet ein Interview mit Uli Hellweg und Dr. Harald Falckenberg. Uli Hellweg betont darin die Bedeutung der auf Nachhaltigkeit angelegten Themen und Projekte der IBA.
Die Moderatorin Dr. Gesa Birnkraut fragt Uli Hellweg, wie es um das auch in der Conclusio angesprochene Vertrauen in die Menschen vor Ort bestellt sei, vor allem im Hinblick auf die zu präsentierenden Ergebnisse der IBA im Jahr 2013. Uli Hellweg betont, dass es sich tatsächlich um eine entgegen gesetzte Kausalität handele: Nur wenn den Menschen vertraut und ihnen Verantwortung übergeben werde – wenn es gelinge, sie „mitzunehmen“ – nur dann könne es etwas geben, das präsentiert werden kann.
In einem Wortspiel beantwortet Uli Hellweg die Frage nach der Innovationskraft der IBA. Man wolle demnach „nicht nur updaten sondern upgraden“. Das heißt, es solle qualitativ Neues entwickelt werden, das nicht um seiner Selbst willen bestehe, sondern der realen Situation und den Anforderungen der Zukunft geschuldet sei. Stadtentwicklungsprojekte wie die IBA setzten dabei frische Kräfte frei und machten neue Diskussionen möglich.
Mit Bezug auf den engen Zeitrahmen der IBA bis 2013 hebt Uli Hellweg hervor, dass eine Fertigstellung aller Projekte bis dahin gar nicht das anvisierte Ziel sei. Es sollten vielmehr in dieser Zeit die Prozesse so auf den Weg gebracht werden, dass sie sich nach der IBA selbst tragen könnten. Wenn sich dann aus der Entwicklung neuer spartenübergreifender und mutiger Formate noch reale Verbesserungen ergäben, dann könne die IBA als gelungen gelten.
Überhaupt, so betont Uli Hellweg, sei der Prozess ein entscheidender Faktor der IBA. Denn Architektur und Städtebau selbst müssten als komplexe, nicht lineare Prozesse gedacht und verstanden werden. Das
Dr. Harald Falckenberg stellt in einem Exkurs zur modernen Kunst vielfältige Verbindungen zur diskursiven Kraft der IBA her. So werde zum Beispiel auch in der modernen Kunst Neues, bisher Ungedachtes hervorgebracht. Es werde von der Peripherie aus gearbeitet und vieles bisher alltäglich und akzeptiert Geltendes in Frage gestellt. Seine Ausführungen gälten der Entwicklung und den Besonderheiten der modernen Kunst ebenso wie den ausgestellten Künstlern in seiner Sammlung.